Charles Weissmann

Charles Weissmann (* 14. Oktober 1931 in Budapest) ist ein Schweizer Molekularbiologe.

Leben und Werk

Charles Weissmann wurde als Sohn von Chil und Berta Weissmann in Budapest geboren. Seit 1931 lebte er in Zürich, wo er die Primarschule besuchte, und seit 1941 in Rio de Janeiro. Schon dort wurde seine Begeisterung für die Forschung geweckt, besonders durch das Buch Mikrobenjäger von Paul de Kruif. 1946 – wieder in der Schweiz – besuchte er das Kantonale Gymnasium Zürich. Anschließend studierte er ab 1950 an der Universität Zürich, wo er 1957 zum Dr. med. und 1961 bei Paul Karrer in organischer Chemie zum Dr. phil. promoviert wurde. Im selben Jahr ging er als Postdoktorand zu Severo Ochoa an die Abteilung Biochemie der School of Medicine der New York University, wo er 1964 Assistenzprofessor und 1965 außerordentlicher Professor wurde. 1967 kehrte er nach Zürich zurück, um als außerordentlicher Professor das Universitätsinstitut für Molekularbiologie zu leiten. Von 1970 bis 1999 war er zusätzlich ordentlicher Professor für Molekularbiologie an der Universität Zürich. Nach seiner Emeritierung ging er ans St. Mary’s Hospital und ans University College London. Seit 2004 setzt er seine Forschung am neuen Scripps Research Institute in Florida fort.

Am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn beschäftigte sich Weissmann mit Bakteriophagen. So konnte er die Struktur und Vermehrung von RNA-haltigen Viren aufklären. Außerdem entwickelte er das Verfahren der reversen Genetik.[1] 1978 gehörte er zu den Mitbegründern der Genfer Firma Biogen, für die er eine Möglichkeit ersann, Alpha-Interferon künstlich herzustellen. Dazu isolierte er das menschliche Interferon-Gen und brachte es in das Erbgut von Escherichia coli ein. So konnten große Mengen Interferon erzeugt werden, die zur Behandlung von Hepatitis B und bestimmten Krebsarten, wie der Haarzellleukämie und dem Kaposi-Sarkom, verwendet werden. Ab 1983 widmete sich Weissmann der Prionenforschung. Ihm gelang das Abschalten des Gens, dass das gesunde Vorläuferprotein PrPC des krank machenden Proteins PrPSc kodiert, sodass er resistente Mäuse züchten konnte.[2]

Weissmann ist verheiratet und hat vier Kinder. Seine Hobbys sind Fotografie und Trekking.

Veröffentlichungen

Weissmann publizierte mehr als 275 Aufsätze in Zeitschriften. Außerdem:

  • Die Bedeutung der Transaminasen für die interne Diagnostik. Dissertation, Schwabe, Zürich, Basel 1957
  • Strychanon, ein Abbauprodukt des Strychnins und dessen Beziehung zu den Calebassen-Alkaloiden. Dissertation, Zürich 1961
  • Genetische Manipulation. Errungenschaften und Aussichten. Naturforschende Gesellschaft, Zürich 1978

Auszeichnungen

  • 1966 Ruzicka-Preis für Chemie (Schweiz)
  • 1970 Marcel-Benoist-Preis (Bern)
  • 1974 Sir-Hans-Krebs-Medaille
  • 1980 Otto-Warburg-Preis (Innsbruck)
  • 1982 H.-P.-Heineken-Preis (Amsterdam)
  • 1982 Scheele-Medaille (Uppsala)
  • 1987 Krebspreis der Krebsliga Schweiz
  • 1988 Ernst-Jung-Preis für Medizin (Hamburg)
  • 1993 Gabor-Medaille (Royal Society London)
  • 1995 Robert-Koch-Medaille in Gold (Bonn)
  • 1996 Charles-Léopold-Mayer-Preis (Académie des sciences)
  • 1996 Glaxo Wellcome Prize (Royal Society)
  • 1997 August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze (Gesellschaft Deutscher Chemiker)
  • 1997 Klaus-Joachim-Zülch-Preis (Max-Planck-Gesellschaft)
  • 1997 Max-Delbrück-Medaille (Berlin)
  • 1998 Pour le mérite für Wissenschaft und Künste
  • 1997 Wilhelm Exner Medaille (Wien)
  • 1998 Distinguished Service Award (Miami)
  • 1998 Mendel Medal (Genetical Society, London)
  • 1998 Datta Lectureship award (Federation of European Biochemical Societies)
  • 2001 Betty and David Koetser Award (Zürich)
  • 2001 Friedrich Bauer Prize for medical Research (München)
  • 2004 Warren Alpert Foundation Prize (Boston)
  • 2006 Fifth Ann. DART/NYU Biotechnology Achievement Award from the Biotechnology Study Center of the New York University School of Medicine
  • Ehrendoktorwürden: 1992 Universität Verona, 1994 Universität Gent, 1998 Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, 2000 Universität Zürich, 2000 Universität St Andrews, 2001 École polytechnique fédérale de Lausanne

Mitgliedschaften

  • 1968 European Molecular Biology Organization
  • 1979 Ehrenmitglied der American Society of Biological Chemistry
  • 1980 Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • 1983 Auslandsmitglied der Royal Society
  • 1985 Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences
  • 1989 Auslandsmitglied National Academy of Sciences
  • 1998 Pour le mérite für Wissenschaft und Künste
  • 1998 korrespondierendes Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste
  • 1999 American Academy of Microbiology
  • 2001 Academy of Medical Sciences (London)
  • außerordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • Academia Europaea
  • Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Zellbiologie und Molekularbiologie
  • Human Genome Organisation
  • Weizmann-Institut für Wissenschaften
  • Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften

Literatur

  • wo: Charles Weissmann. In: Munzinger Archiv. Internationales Biographisches Archiv. 24/1997
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 2005, S. 3798, ISBN 3-598-23612-3
  • Who’s Who in Switzerland, 1996/97, S. 614f., ISBN 3-280-02226-6
  • Who’s Who in America, 2007, S. 4786, ISBN 0-8379-7006-7
  • Hanspeter Bundi: Der Despot im Labor. In: Die Zeit, Nr. 45/1997

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Charles Weissmann: Reversed genetics. In: Trends in Biochemical Sciences. Band 3, Heft 5, 1978, S. N109-N111
  2. H. Büeler, A. Aguzzi, A. Sailer, R, Greiner, P. Autenried, M. Aguet, C. Weissmann: Mice devoid of PrP are resistant to scrapie. In: Cell. Band 73, Heft 7, 1993, S. 1339–47

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