Ökologischer Weinbau

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Ökologisch bewirtschafteter Weingarten bei Mörbisch am See in Österreich

Der Ökologische Weinbau ist eine Methode des Weinbaus, deren Hauptziel es ist, den Schutz des Ökosystems bei der Herstellung von Wein in besonderem Maße zu berücksichtigen. Zudem ist es eine Form der ökologischen Landwirtschaft, bei der die Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera) angebaut wird, die überwiegend der Weinherstellung dient.

Der ökologische Weinbau wird auch als Biologischer Weinbau oder Biologisch-organischer Weinbau (= Organisch-biologischer Weinbau) bezeichnet. Die biologische Bewirtschaftung soll durch die Pflege der Bodenfruchtbarkeit ein intaktes Ökosystem-Boden zur Folge haben, aus dem die Pflanzen ihre Nährstoffe beziehen können. Natürliche Lebensprozesse sollen gefördert und Stoffkreisläufe weitgehend geschlossen werden.[1]

Das Produkt dieser Anbaumethoden wird als Wein aus Trauben aus biologischem bzw. ökologischem Anbau bezeichnet, da sich die Anbauregelung bisher weitgehend nur auf die Traubenproduktion bezieht. Die Begriffe Biowein oder Ökowein sind zwar allgemein gebräuchlich, jedoch nicht weinrechtlich verankert.

Auf die Anbauverbände, denen viele Betriebe angehören, wird hier nicht näher eingegangen. Es gibt derzeit in Deutschland einen Anbauverband, der sich auf Weinbau spezialisiert hat, Ecovin. Weinbaubetriebe können aber auch den anderen ökologischen Anbauverbänden angehören oder nach EG-Öko-Verordnung produzieren.

Geschichte

Entwickelt wurden die Konzepte des ökologischen Weinbaus in den 1960er-Jahren. Ab den 1980er-Jahren wurde der Bioweinanbau immer mehr von den Bioanbauverbänden und ihren unterschiedlichen Anbauregeln geprägt. Seit 1985 gibt es auf nationaler Ebene Richtlinien.

Seit 1991 gibt es EU-einheitliche Vorschriften für Biowein (EG-Öko-Verordnung 2092/91), die unter anderem die Verwendung von ökologischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln regeln und die Kontrollen festlegen. In diesen Regeln sind die Vorstellungen der Bioanbauverbände weitestgehend zusammengefasst und verwirklicht. Die intensivsten Regeln gibt es bis jetzt nur für den Anbau im Weinberg. Der Weinausbau im Keller und die Vermarktung des Weines spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Zertifizierungen werden von den Öko-Kontrollstellen durchführt. Kontrollen während des Jahres von EU-zertifizierten Instituten oder Verbänden stellen die Einhaltung der Bio-Anbauregeln sicher.

Während deutsche und österreichische Weingüter lange Zeit eine Vorreiterrolle beim qualitätsorientierten ökologischen Weinbau innehatten, gibt es inzwischen auch außerhalb Deutschlands und Österreichs zahlreiche Weinhersteller, darunter sowohl Großproduzenten als auch Spitzenweingüter, die ebenfalls die geforderten Standards erfüllen.

Ziele

Rieslingrebe in einem Bio-Weingarten in Deutschland

Das Hauptziel ist die Umwandlung des Ökosystems Weinberg von der Monokultur hin zu einer Polykultur. Die biologische Vielfalt im Weinberg wird gefördert. Erreicht wird dies durch Einsaat von Pflanzen wie Gelbklee, Klatschmohn oder Phacelia zwischen und unter den Reben. Meist werden Mischungen aus Leguminosen und Gräsern gesät, die dem Boden Stickstoff zuführen und auch als Bienenweide dienen. Zur Begrünung gehören auch Pflanzenarten, die Nematoden unterdrücken und eine schädlingsbekämpfende Wirkung haben wie Senfe und Hafer. Zudem setzt man auch auf Nützlinge.[2]

Wichtige Schwerpunkte sind die Erhaltung und Steigerung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch bestimmte Kulturmaßnahmen und die Unterlassung aller Maßnahmen, die diesem nachhaltigen Ziel widersprechen. Verzichtet wird beispielsweise auch die Anwendung von synthetisch hergestelltem Stickstoffdünger, jedoch nicht auf die Ausbringung von Kali- oder Phosphatmineraldünger). Auch der Verzicht auf den Einsatz von Herbiziden und bestimmten Pflanzenschutzmitteln wie chemisch-synthetischen Insektiziden und Fungiziden charakterisiert den ökologischen Weinbau. Das generelle Verbot von synthetischen Insektiziden und Fungiziden wird nicht durch ökotoxologische Untersuchungen begründet, da die Verwendung dieser Substanzen a priori ausgeschlossen ist.

Statt dessen setzt man auf gesunde, robuste und somit widerstandsfähige Rebstöcke unter Vermeidung von schädlichen Gegenregulationen aus dem Ökosystem. So werden zunehmend Rebenneuzüchtungen mit erhöhten natürlichen Resistenzen angepflanzt, wie Regent, Phoenix oder Saphira. Die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen (Reben, Begrünungspflanzen) ist nicht gestattet.

Auch Pflanzenstärkungsmittel wie Gesteinsmehle und Silikate sind für den Ökoweinbau zugelassen.

Ziel ist auch die Förderung und Mehrung der Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt im Ökosystem Weinberg. Dies soll erreicht werden durch Verwendung schadstoffarmer Rohstoffe und Abfälle, Wiederherstellung eines weitgehend geschlossenen Produktionskreislaufs[3]. Verwandte Weinbaumethoden sind der Biologisch-dynamische Weinbau als Teil der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Pflanzenschutz

Eine völlige Freiheit von anorganischen Pflanzenschutzmitteln ist praktisch nicht möglich. Die Ausbreitung von Pilzkrankheiten, wie Echter und Falscher Mehltau wird auch durch die Klimaerwärmung begünstigt und kann Ernteverluste hervorrufen. Auch Insekten können die Reben dauerhaft schädigen, wie die Amerikanische Rebzikade die bestimmte Phytoplasmen übertragen kann. Befallene Anlagen müssen gerodet werden. Ein völliger Verzicht auf anorganische Fungizide wird als wirtschaftlich untragbares Risiko betrachtet. Deshalb wird im ökologischen Weinbau eine Alternative in der Beschränkung auf anorganische Pflanzenschutzmittel wie Schwefel- und Kupferpräparate gesehen.

Beim Pflanzenschutz gegen den Falschen Mehltau wird unter anderem auf Kupfersulfat zurückgegriffen.[4] Kupferpräparate sind jedoch umstritten, da sie eine relativ geringe Wirkung haben und außerdem eine Ökotoxizität besitzen, nicht abgebaut werden und sich im Boden anreichern.[5] Da die ökologischen Anbauverbände die Teilnahme an Studien des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen über die Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ablehnen, fehlen belastbare Zahlen zum Thema.[6] Die ökologischen Anbauverbände in Deutschland und Österreich erlauben den Einsatz von bis zu 3 kg Reinkupfer als Höchstgrenze pro Hektar und Jahr.

Qualität

Die Richtlinien für umweltschonenden und biologischen Weinbau dienen in erster Linie der Schonung der Umwelt. Allein daraus zu folgern, Biowein bedeute Qualität ist allerdings naiv, denn Weinqualität entsteht im Weinberg nur durch entsprechende ertragsreduzierende Maßnahmen, die nichts mit den biologischen Produktionsvorschriften zu tun haben, wie etwa Rebschnitt, grüne Lese und strenge Selektion bei der Ernte. Aber auch bei einem Wein mit Verband-Label ist nicht sofort klar, was es eigentlich genau garantiert. Denn es existieren international eine große Zahl an Verbänden mit unterschiedlichen Richtlinien und eigenem Label.

Unterschiede in der Artenvielfalt

Die Weingartenbewirtschaftung hat das Ziel, im Ökosystem Weingarten eine möglichst große Artenvielfalt zu erreichen, um die Monokultur der Rebe und deren negative Auswirkungen möglichst abzuschwächen, durch die hohe Zahl von verschiedenen Organismen von Flora und Fauna Nützlinge zu begünstigen bzw. deren Lebensraum zu verbessern und zu erhalten. Ökologisch wirtschaftende Betriebe behaupten, dass sie das im Besonderen tun und damit bestimmte Pflanzenschutzbehandlungen reduzieren können. Aber auch integriert wirtschaftende Betriebe setzen in diese Richtung zielende Maßnahmen ein. In einer Studie von der Universität Neuchâtel und Fribourg wurden die Produktionsmethoden verglichen. Und kamen zu folgendem Ergebnis: In Weinbauanlagen, in denen die Richtlinien für ökologische Produktion eingehalten werden, kommen nicht mehr Tier- und Pflanzenarten vor als in solchen, die nach den Kriterien der integrierten Produktion (IP) bewirtschaftet werden [7]

Ökologische Anbauverbände

Für Biowinzer gibt es zum einen die Möglichkeit sich nach der EU-Bioverordnung zertifizieren zu lassen. Voraussetzung hierfür ist die Kontrolle und Bestätigung der Einhaltung der ökologischen Wirtschaftsweise durch eine unabhängige Kontrollstelle, sowie die Nennung der staatl. Kontrollnummer auf dem Flaschenetikett. Zusätzlich hierzu kann eine Zertifizierung durch einen der ökologischen Anbauverbände angestrebt werden, welche in der Regel im Vergleich zur EU-Bioverordnung strengere Richtlinien für Anbau und Produktion vorgeben.

Hier eine Übersicht über Verbände, welche Bioweingüter als Mitglieder führen:

Literatur

  • Uwe Hofmann, Paulin Köpfer, Arndt Werner: Ökologischer Weinbau. Ulmer, Stuttgart 1995, ISBN 978-3-8001-5712-9 (Standardwerk)
  • Ilse Maier: Praxisbuch Bioweinbau. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2005, ISBN 3-7040-2090-7.

Siehe auch

  • Folgen der globalen Erwärmung für den Weinbau
  • Nachhaltigkeit im Weinbau, CO² Fußabdruck

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Karl Bauer und Mitarbeiter: Weinbau. 8. Aufl. 2008, Österr. Agrarverlag, ISBN 978-3-7040-2284-4
  2. Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. Hallwag Verlag, München 2003, S. 522 f.
  3. Richtlinien des Ecovin Bundesverbandes Ökologischer Weinbau e. V. zur Erzeugung von Trauben, Saft, Wein und Sekt aus ökologischem Anbau
  4. Pflanzenschutzmittel nach EG-Öko-Verordnung: Ökologischer Landbau. oekologischerlandbau.jki.bund.de. Abgerufen am 8. Mai 2011.
  5. ARD-Bericht: Biologische Landwirtschaft. YouTube (27. November 2009). Abgerufen am 8. Mai 2011.
  6. NDR-Bericht: Geheimsache Bio
  7. Odile T. Bruggisser, Martin H. Schmidt-Entling, Sven Bacher: Studie der Universität Neuchâtel und Fribourg. Biological Conservation 2010. Online-Fassung

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