Katzendarstellung der Harrapa Kultur
Katzenfigur mit eingekerbten Gesichtsmerkmalen, einschließlich der Punkte auf dem Gesicht, die Schnurrhaarflecke sein könnten. Diese handgefertigte Terracottafigur mit eingesetzten Augen stellt wahrscheinlich eine wilde Katze dar. Abmessungen: 5,7 cm hoch, 11,9 cm lang, 4,5 cm breit. Ausstellungsort: Harrapa Museum.

Im Indus-Tal, Pakistan, gibt es Fundstellen, die auf ca. 6000 v.Chr. datiert wurden. Etwa zeitgleich mit den altägyptischen Königreichen hatte sich an den Ufern des Indus eine florierende Kultur ? mit mehreren großen Städten entwickelt, in denen teilweise bis zu 40 oder 50 000 Menschen lebten. Hier wurden Katzen möglicherweise auf ähnliche Weise wie im alten Ägypten domestiziert, wo man sie offensichtlich in Tempeln hielt.

An einigen Ausgrabungsorten, z.B. Harrapa ? und Mohenja-daro ?, kamen Reste von Getreidespeichern zu Tage, was auf eine fortgeschrittene Vorratswirtschaft der Menschen deutet. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf verschiedene domestizierte Tierarten wie Hunde, Ziegen, Schafe, möglicherweise Elefanten und auch Katzen (Jarrig & Meadow, 1980).

Indus-Tal
Indus-Tal

Auf dem Höhepunkt ihrer Zivilisation erstreckten sich die Siedlungen über die pakistanische Provinz Sindh, Beluchistan, Pandschab, nördliches Rajasthan, Kathiawar und Gujarat. Die Städte waren weit fortschrittlicher als vergleichbare prähistorische Kulturen in Westasien, wie Ägypten oder Mesopotamien. Wie bei den meisten anderen zeitgenössischen Zivilisationen war Landwirtschaft das ökonomische Rückgrat der Indus-Kultur, davon zeugen die alten Getreidespeicher. Vermutlich hatten die Menschen schon damals mit lästigen Nagetieren zu kämpfen, und da kommen die Katzen ins Spiel.

Deuten schon die Knochenfunde auf eine gewisse Nähe der Katzen zum Menschen hin, so gibt es eindeutige Hinweise die auf Domestizierung der Katze in Form von Pfotenabdrücken auf Backsteinen, die man mit Stroh vermischt in der Sonne zum Trocknen ausgelegte. Wie auf frischem Zement hat sich dort eine darüberspazierende kleine Katze der Gattung Felis verewigt. Darüber, ob die Knochen der Katzen genauso alt wie der Rest der archäologischen Ausgrabungen (ca. 6000 v.Chr.) sind, ist nicht berichtet worden.

Historische und archäologische Daten, sowie genetische Untersuchungen deuten auf einen westasiatischen Ursprung der frühen pakistanischen Hauskatzen hin. Zeitlich käme hier die Harrapa-Zivilisation in Frage. Die Tatsache, dass die frühen Kulturen des Indus-Tales dem alten Ägypten in nichts nachstanden, macht es wahrscheinlich, dass auch in Pakistan ein unabhängiges Zentrum der frühen Domestizierung entstand (M. Ahmad, B. Blumberg, M. F. Chudary, 1980).

Die Städte am Indus pflegten Handelsverbindungen mit Afghanistan, Persien, Ägypten, Mesopotamien und Samarien. Katzen könnten um 2000 v.Chr. mit phönizischen Handelskarawanen zwischen dem alten Ägypten und dem Indus-Tal mitgezogen sein, was es den beiden Populationen ermöglichte sich zu vermischen. Nach 2000 v.Chr. sind die Mohenjo-daro- und die Harappa-Kultur aus unbekanten Gründen untergegangen.

Ausgrabungen an anderen Orten in Asien, die auf die Domestizierung verschiedener Tiere hindeuten, stammen aus der Zeit um 5000 v. Chr. Archäologische Reste von Siedlungen an den Küsten der Bucht von Bengalen enthielten ebenfalls überreste von möglicherweise domestizierten Katzen.