Vor über 30.000 Jahren, zu Beginn der Jüngeren Altsteinzeit, durchstreifte Homo sapiens in kleinen Gruppen die von der Eiszeit geprägten Täler auf den Spuren der Tiere wie Mammut, Rentier und Wildpferd. Zeugnisse seines Aufenthalts blieben in den Höhlen erhalten, Reste von Feuerstellen, Werkzeuge und Schmuck aus Stein, Knochen, Geweih und Elfenbein. In der fantastischen Gestalt eines Löwenmenschen äußern sich geistig-religiöse Vorstellungen der Menschen der letzten Eiszeit. Bereits zu dieser Zeit befasste sich der Mensch mit dem Wesen der Katzen, das Interesse an ihnen ging weit über die Jagd hinaus.

In Syrien, der Türkei und in Israel fand man 10.000 Jahre alte Stein- und Lehmfigürchen von Katzen. Diese Skulpturen deuten darauf hin, dass Katzen für diese nacheiszeitliche Kultur mehr bedeutet haben mussten, als lediglich eine Nahrungsquelle. So gab es möglicherweise schon sehr früh Katzen, die in Gemeinschaft mit Menschen lebten. Bei prähistorischen Ausgrabungen finden sich neben menschlichen Artefakten relativ häufig Überreste von Katzen in Form von Knochen oder Zähnen. Es ist jedoch kaum nachzuweisen, ob die Katzen Begleiter des Menschen oder Beute (Fell, Fleisch) waren. Der Prozeß der Domestizierung könnte also schon vor 10.000 Jahren begonnen haben.

Überreste von Katzen aus dem Neolithikum (auch Jungsteinzeit genannt, vor 11.500 Jahren bis 5.500 Jahren) fand man z.B. auch bei Jericho in Palästina. Dabei ist aber auch hier nicht sicher, ob es sich dabei um Jagdbeute handelt oder ob die Katzen bestenfalls als Abfallverwerter in einer der ältesten menschlichen Ansiedlungen toleriert wurden. Vieles spricht für die Tolerierung, da Katzen ausgezeichnete Mäuse- und Rattenfänger sind. Beim übergang zur Vorratswirtschaft dürften die Kornspeicher der Menschen recht häufig von den lästigen Nagern befallen worden sein. Es ist nicht schwer sich vorzustellen, in welcher Gefahr die menschlichen Lagerbestände dadurch schwebten.

Auf Zypern wurden Überreste von afrikanischen Wildkatzen gefunden, die auf 5.000 v. Chr. datiert wurden und neuere Entdeckungen sind sogar noch älter. Dieser Umstand ist deshalb so interessant, da diese Katzen von Menschen auf die Insel gebracht worden sein müssen, denn auf Zypern hat es urprünglich nie Wildkatzen gegeben. Die Knochen der Katzen wurden zusammen mit Mäuseknochen und menschlichen Überresten gefunden. Alle drei Spezies, Katze, Mensch und Maus erschienen erstmals zu jener Zeit auf Zypern. Ein mögliches Szenario wäre, dass Menschen ungewollt Mäuse auf die Insel einschleppten und im Zuge einer Mäuseplage dann die Katzen auf die Insel nachholten. Sollte sich dies so oder so ähnlich abgespielt haben, so hat der Mensch den Wert einer Katze als Mäusefänger schon zu dieser Zeit gekannt.

Einen Beweis für den Beginn der Domestizierung der Katzen bereits vor 9.500 Jahren sehen die Archäologen um Jean-Denis Vigne vom Muséum National d`Histoire Naturelle und vom Collège de France in Paris (Vigne, 2004) in der Entdeckung eines kompletten Skeletts einer Katze bei Shillourokambos auf Zypern die neben einem Menschen aus der Jungsteinzeit begraben wurde. Die Körper von Mensch und Katze waren symmetrisch in Position gebracht und mit den Köpfen nach Westen zeigend (in Richtung zur untergehenden Sonne) begraben worden. Da der Erhaltungszustand beider Skelette identisch war, wurden sie offensichtlich auch zum gleichen Zeitpunkt beerdigt. Die Katze im Grab könnte „prä-domestiziert“ gewesen sein, also halb wild und halb zahm. Die Person war zum Zeitpunkt des Ablebens ungefähr 30 Jahre alt und einige Grabbeigaben, wie Steinwerkzeuge und Muscheln deuten auf einen hohen, gesellschaftlichen Status hin. Er oder Sie könnte ein besonderes Verhältnis zu Katzen gehabt haben oder Katzen könnten z.B. eine religiöse Bedeutung gehabt haben. So könnte es sich bei dem beerdigten Tier um eine Art Totemtier gehandelt haben.

Während des Neolithikums breitete sich die Landwirtschaft vom nahen Osten kommend über die Welt aus und die Kornspeicher des Menschen haben vermutlich große Mäusepopulationen angezogen. Die Katzen, die sich daraufhin in die Nähe von Dörfern wagten, um diese Mäuse zu jagen, waren vermutlich höchst willkommen. Diese Vorläufer der domestizierten Katze gehörten vermutlich zur Art Felis silvestris lybica, der afrikanischen Wildkatze, eine Art deren Nachkommen leicht zu halten sind, wenn sie als Jungtiere in menschliche Obhut genommen werden. Ebenso ist es möglich, dass verlassene oder besonders niedliche Kätzchen als Haustiere gehalten wurden, ähnlich der Haltung exotischer Haustiere als Statussymbol heute.

Möglicherweise war die beerdigte Katze bereits ein domestiziertes Haustier, trotzdem wurde sie im Alter von 8 Monaten getötet, um mit ihrem „Besitzer“ begraben zu werden. Das Skelett zeigte keinerlei Anzeichen von Gewalteinwirkung und war bis zum Zeitpunkt des Todes völlig unversehrt. Auch dies macht es wahrscheinlich, dass das Tier als Individuum und Begleiter des Toten behandelt und nicht geschlachtet wurde. Aber andere, verbrannte Katzenknochen aus einer anderen Periode am Ausgrabungsort zeigen auch, dass Katzen durchaus einen Teil der neolithischen Nahrung in der Region darstellten.