Steckbrief

IUCN Status
Endangered / stark gefährdet
Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps)
Physiologie*
Gewicht (kg): 5,5 - 8
Kopf-Rumpf-Länge (cm): 40 - 50
Schwanzlänge (cm): 13 - 15
*Daten nach Macdonald (2006)

Verbreitung

 
IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. www.iucnredlist.org

Die Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) aus Südostasien ist mit ihrem langen, schmalen Kopf und der abgeflachten Stirn das ungewöhnlichste Mitglied der Familie der Katzen (Felidae). Ihr Aussehen erinnert einwenig an Schleichkatzen aus der Familie Viverridae, welche aber nicht zu den echten Katzen gehören.

Aussehen

Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) sind etwa so groß wie eine Hauskatze, haben einen länglichen Körper, kurze Beine mit kleinen, rundlichen Pfoten und einen kurzen Schwanz. Das Fell ist dick, weich und lang. Auf der Oberseite des Kopfes ist es rötlich-braun, das restliche Körperfell ist dunkelbraun mit feinen, grauen Sprenkeln. Die Haarspitzen sind braungelb. Schnauze, Kinn und Wangen sind weiß. Entlang der unteren Augenränder verlaufen kurze weiße Steifen. Auf jeder Wange verlaufen zwei dunkle Streifen. Eine gelbe Linie verläuft von jedem Auge bis fast zu den Ohren. Die Bauchseite ist ebenfalls weiß und in der Regel mehr oder weniger mit braunen Flecken gepunktet. Die großen braunen Augen liegen eng zusammen, ebenso wie die kurzen, abgerundeten Ohren. Die Beine sind kurz mit langen, schmalen Sohlen und können einige undeutliche horizontale Markierungen haben. Der kurze Schwanz ist dicht behaart, auf der Oberseite rötlich-braun, auf der Unterseite gelblich.

Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) teilen sich mit dem Gepard (Acinonyx jubatus) und der Fischkatze (Prionailurus viverrinus) ein Merkmal: ihre Krallen sind ständig sichbar und können nicht vollständig eingezogen werden. Sie besetzen die Nische eines semi-aquatischen Fleischfressers, denn die langen, schmalen Kiefer und die spitzen, nach hinten gerichteten Zähne sind perfekte Anpassungen an das Fangen und Festhalten schlüpfriger Beute wie Fische und Frösche. Ihre Pfoten haben zwischen den Zehen Schwimmhäute und die großen Augen deuten auf eine nächtliche Lebensweise. Eigentlich verdient diese Katze ebenfalls den Namen „Fischkatze” wie die Art, die diesen Namen bereits trägt.

Verhalten

Aus Kuala Lumpur gibt es einen Bericht, wonach eine junge Katze etwa einen Monat lang in Gefangenschaft gehalten wurde, bevor sie leider starb. Als man der jungen Katze ein Wasserbecken zur Verfügung stellte, sprang sie sofort hinein und spielte darin stundenlang mit Objekten, die man hineingelegt hatte. Sie holte Fischstücke mit dem Mund aus einer Tiefe von 12 cm, dabei tauchte sie voll mit dem Kopf unter. Oft wusch die Flachkopfkatze Objekte im Wasser, ähnlich wie es Waschbären tun. Wenn ihr Käfig mit einem Schlauch ausgespritzt wurde, spielte sie mit dem Wasserstrahl. Lebende Frösche, die man in ihren Käfig legte, wurden sofort gefressen, ein Spatz wurde jedoch völlig ignoriert. Wenn man der jungen Flachkopfkatze Nahrung anbot, stürzte sie sich sofort darauf, knurrte und trug sie etwa 4½ Meter fort. Dieses Verhalten wurde dahingehend gedeutet, dass ihre glitschige Beute wie Frösche und Fische, einmal gefangen, in der Natur keine Möglichkeit mehr hat, zurück ins Wasser zu gelangen.

Lebensraum

Obwohl fast nichts über diese Katzen bekannt ist, geht man davon aus, dass sie häufig an die Flussufer des Tieflanddschungels kommen. Ihr ehemaliges Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Malaysia, Borneo und Sumatra. Nachdem sie im Jahr 1985 für ausgestorben erklärt wurden, entdeckte man eine kleine Population von Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) in Palmöl-Plantagen in Malaysia, wo sie Jagd auf die zahlreichen Ratten machten.

Im Jahr 1995 wurden zwei Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) von Zoologen entlang des Merang Rivers in Sumatra beobachtet. Die Katzen wurden in primärem Torfsumpf und sekundärem Tieflandwald gesichtet, letzteres läßt auf eine gewisse Toleranz gegenüber veränderten Lebensräumen schließen. Diese Berichte waren die ersten bestätigten Beobachtungen der Flachkopfkatzen im Berbak National Park ?. Parkbeamte hatten noch nie von dieser Katzengattung gehört, geschweige denn sie beobachtet.

Fortpflanzung

Die wenigen verfügbaren Informationen über die Fortpflanzung der Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) stammen von einem kleinen Kätzchen, das im Monat Januar in der Wildnis aufgefunden wurde. Es hatte eine ähnliche Färbung wie erwachsene Katzen, jedoch erschien die Grundfarbe etwas grauer. Die Färbung von erwachsenen Katzen nahm das Kätzchen im Alter von einem Jahr an. Nach einer Tragzeit von etwa 56 Tagen bringen die Weibchen 1 bis 4 Junge zur Welt. In Gefangenschaft wurden die Katzen bis zu 14 Jahre alt.

Wasserverschmutzung in Form von Abwasser aus der Landwirtschaft und Holzeinschlag stellen eine ernste Bedrohung für Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) dar, da dadurch ihre Beute vergiftet wird. Darüber hinaus sind die Umgebungen von Wasserstraßen oft die ersten Gebiete, die kultiviert werden, sobald sich Menschen ausbreiten. Flachkopfkatzen (Prionailurus planiceps) werden nur selten gesichtet, daher geht man davon aus, dass sie sehr selten sind. Sie sind über den größten Teil ihres Verbreitungsgebiets vollständig geschützt, jedoch ist in Singapur die Jagd erlaubt und auch in Brunei genießen sie keinen rechtlichen Schutz. Zusammen mit der Borneo-Goldkatze (Catopuma badia) gehört die Flachkopfkatze (Prionailurus planiceps) zu den am wenigsten erforschten Katzen der Welt, und die Gefahr ist groß, dass sie verschwinden, bevor ihr überleben gesichert werden kann. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES führt die Art in Anhang I.


David W. Macdonald (Hrsg). The Encyclopedia of Mammals. Oxford University Press; Auflage: New edition (12. Oktober 2006)

Wilting, A., Hearn, A., Sanderson, J., Ross, J. & Sunarto, S. 2010. Prionailurus planiceps. In: IUCN 2012. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2012.1. <www.iucnredlist.org>. Downloaded on 19 August 2012 .

Muul, I., B. Lim. 1970. Ecological and morphological observations of Felis planiceps. Journal of Mammalogy, 51/4: 806-808.

Payne, J., C. Francis. 1994. A Field Guide to the Mammals of Borneo. Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia: Sabah Society.

Sunquist, M., F. Sunquist. 2002. Wild Cats of the World. Chicago: University of Chicago Press.