Die großen Katzen der Gattung Panthera haben verhältnismäßig kurze und dicke Eckzähne, die sie dazu benutzen, der Beute in den Nacken zu beißen um die Knochen und Sehnen zu durchtrennen und das Beutetier so zu töten.

Die Gattung Panthera entwickelte sich vor rund 3 Millionen Jahren und führte zu den heutigen modernen Großkatzen. Prähistorische Verwandte der modernen Großkatzen lebten ab dem Pleistozän bis in die jüngste Vergangenheit. Ihr Lebensraum erstreckte sich über Südafrika, Asien, Europa und Nordamerika. Einige, wie der „Höhlenlöwe“, waren wirklich eindrucksvolle Geschöpfe, die eine Körperlänge von 3,5 m erreichten. Der Lebensraum des modernen Löwen (Panthera leo) ist heute auf Teile Afrikas und Westindiens (Gir-Nationalpark) beschränkt. Es gab einige ausgestorbene Unterarten des modernen Löwen, von denen einige bis in die jüngste Vergangenheit in Arabien und dem Iran überlebten (der Berberlöwe ist möglicherweise wiederentdeckt worden und wird streng geschützt).

Ursprüngliche Löwen wie der Mosbacher Löwe (Panthera leo fossilis) waren vor ungefähr 500.000 Jahren über die gesamte alte Welt verbreitet. Panthera youngi existierte vor 350.000 Jahren im Nordosten Chinas und hatte eine gewisse ähnlichkeit mit dem Europäischen Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea) sowie mit dem Amerikanischen Löwen (Panthera leo atrox). Panthera youngi könnte ein Bindeglied zwischen den eurasisch-amerikanischen Löwen und den modernen asiatisch-afrikanischen Löwen sein.

Ausgestorbene Arten der Gattung Panthera sind: Amerikanischer Löwe (Panthera leo atrox), europäischer Jaguar (Panthera gombaszoegensis), europäischer Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea), zwei ursprüngliche Leoparden (Panthera palaeosinensis, Panthera pardoides), ein kurzgesichtiger Jaguar (Panthera schaubi) und der Toskana-Löwe oder Toskana-Jaguar (Panthera toscana). Einige dieser Klassifikationen werden vermutlich noch geändert, wenn komplettere Fundstücke zur Verfügung stehen. Panthera schaubi (oder Viretailurus schaubi) ähnelt einem kurzgesichtigen Leoparden und wird gegenwärtig als ein Puma der alten Welt, Puma schaubi, angesehen.

Der europäische Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea, 300.000 bis vor 10.000 Jahren) war vermutlich die größte Katze, die jemals gelebt hat. Sie war um rund ein viertel größer als moderne Löwen und somit größer als die modernen sibirischen Tiger (Panthera tigris altaica). Seine Größe war wohl mit der von modernen Liger-Mischlingen vergleichbar. Sein Lebensraum erstreckte sich über weite Teile Europas, so ist er auf vielen Höhlenmalereien eiszeitlicher Künstler verewigt. Einige dieser Höhlenmalereien sowie einige Überreste legen die Vermutung nahe, dass der Höhlenlöwe bis in historische Zeiten in Südosteuropa überlebte und auf dem Balkan sogar noch bis vor 2.000 Jahren anzutreffen war. Wandmalereien aus Deutschland stellen den Höhlenlöwen mit einer halskrausartigen Mähne und einem buschigen Schwanz dar. Eine Wandgravur aus Frankreich sowie ein Elfenbeinfigürchen eines Menschen mit Löwenfell aus Rußland zeigen, dass der Höhlenlöwe wohl ein leicht gestreiftes Fell hatte. Europäische Höhlenlöwen bewohnten Steppen und parkähnliche Regionen in Nord-Eurasien und halbwüstenähnliche Gebiete im Süden. Sie waren offenbar weder an Gebiete mit hohen Schneelagen noch an dichte Wälder angepaßt.--> mehr

Panthera leo atrox war ein nordamerikanischer Löwe, dessen Lebensraum sich bis nach Südamerika (Peru) erstreckte. Vor ungefähr 35.000 bis 20.000 Jahren, während der letzten Eiszeit, überquerte Panthera leo atrox die trockengefallene Beringstraße und wanderte in Nordamerika ein. Seine Überreste fand man in Alaska ebenso wie in den kalifornischen Teergruben von La Brea (Los Angeles, USA), jedoch war dort die Fundausbeute, verglichen mit anderen Fleischfressern, recht gering. Möglicherweise war diese Großkatze intelligent genug, um diese natürlichen Fallen zu meiden. Vermutlich jagte der amerikanisische Löwe Rotwild, Pferde (die dann ausstarben und erst wieder mit den europäischen Siedlern auf den Kontinent kamen) und nordamerikanische Bisons. Da die amerikanischen Löwen von den europäischen Höhlenlöwen abstammten, gehörten auch sie zu den größten eiszeitlichen Fleischfressern. Auch sie waren bis zu einem Viertel größer als moderne afrikanische Löwen und hatten verhältnismäßig lange, schlanken Gliedmaßen.--> mehr

Panthera schaubi , z.Zt. als Puma schaubi klassifiziert, war eine kurzgesichtige Katze, die so groß wie ein kleiner Leopard oder ein großer Luchs wurde. Man vermutet, dass es sich bei P. schaubi um eine Puma-Art der alten Welt handelt, daher auch die neuerliche Klassifizierung. Versteinerte Überreste dieser Katzen hat man in Frankreich und Italien ausgegraben, jedoch ist die Fundlage sehr spärlich, was darauf hindeutet, dass Europa möglicherweise nicht ihr Hauptverbreitungsgebiet war. Felis lacustris („See-Katze“) scheint ein nordamerikanischer Puma aus dem Pliozän gewesen zu sein.

Der europäische Jaguar (Panthera onca gombaszoegensis) lebte vor rund 1,6 Millionen Jahren und war größer als die frühen amerikanischen Jaguare, vermutlich weil er größere Beutetiere jagte. Sein Lebensraum erstreckte sich über Italien, England, Deutschland, Spanien und Frankreich. Obwohl der Toskana-Löwe (oder auch Toskana-Jaguar) seinen eigenen wissenschaftichen Namen (Panthera toscana) hat, wird diese Katze wohl über kurz oder lang P. gomaszoegensis zugeordnet werden. Eine sehr ähnliche Katze wie P. gombaszoegensis wurde in Ostafrika gefunden. Sie lebte im frühen Pleistozän und hatte sowohl löwen- als auch tigerähnliche Merkmale.

Die sogenannten „Pleistozänen Tiger“ sind in Alaska gefunden worden. Ihre Überreste sind möglicherweise nur 100.000 alt und man diskutierte, ob diese Katzen zu den Tigern oder Löwen gehören. Da diese beiden Großkatzen sich strukturell sehr ähnlich sind, wurden die amerikanischen Tiger als Ergebnis einer anderen Art zugeordnet. Pleistozäne Jaguare lebten vor ca. 1,5 Millionen Jahren und wurden im Norden der USA in den Bundesstaaten Nebraska und Washington gefunden. Sie waren etwa so groß wie ihre modernen Nachkommen und hatten wohl ähnliche Lebensweisen und ein ähnliches Beutespektrum. Moderne Jaguare (Pantera onca) leben in Süd- und Mittelamerika, einzelne Exemplare kann man sogar bis hinauf nach Texas und Florida antreffen.

Lynx issiodorensis Fossilien
Fossile Überreste des Issoire-Luchs (Lynx issiodorensis) im Museo di Paleontologia di Firenze.

Fossile Luchse (Lynx) aus dem Pliozän und Pleistozän kennt man aus Eurasien und Nordamerika. Der gemeinsame Vorfahr der modernen Luchse war vermutlich eine nordamerikanische Art, die dort vor rund 6,7 Million Jahren lebte. Der ausgestorbene Issoire-Luchs (Lynx issiodorensis) lebte vor 4 Millionen Jahren und war größer als moderne Luchse, hatte aber verhältnismäßig kürzere Beine. Moderne Luchse sind kleiner, eine Tendenz, die auch für andere Arten wie Geparde, Jaguare, Leoparden und Löwen zutrifft. Viele prähistorische Formen waren im Vergleich zu ihren modernen Nachkommen Riesen, entweder als Anpassung an kälteres Klima oder aber weil sie mit größeren Beutetieren fertig werden mußten.

Ein Luchs aus dem Pliozän wurde 1889 in Großbritannien gefunden und als Felis (oder Lynx) brevirostris beschrieben. Funde von urtümlichen Rotluchsen (Lynx rufus, engl. Bobcats) werden auf ein Alter zwischen 3,2 bis 1,8 Millionen Jahren datiert. Rotluchse sind Nachkommen des frühen, größeren Lynx issiodorensis aus dem Pleistozän. Eine weit verbreitete Unterart des Rotluchses war Lynx rufus calcaratus (Irvingtonian Bobcat) aus dem Pleistozän, etwas größer als moderne Rotluchse. Eine weitere Unterart aus dem Pleistozän war Lynx rufus koakudsi.

Nordamerikanische Kleinkatzen aus dem Pliozän sind Felis lacustris („See-Katze“, die früher zu der Gattung Lynx gestellt wurde, von man aber heute glaubt, dass sie ein kleiner Puma war, Felis rexroadensis (entweder ein Luchs oder Leopard), Felis protolyncis (ein „früher Lynx“) und Felis longignathus, wobei die beiden letztgenannten den Luchsen am ähnlichsten sehen.


Mauricio Anton, Alan Turner & F. Clark Howell. The Big Cats and Their Fossil Relatives: An Illustrated Guide to Their Evolution and Natural History. Columbia Univ Pr; Auflage: New Ed (3. Mai 2000)