Die Scheinsäbelzahnkatzen (Nimravidae) waren eine separate Familie katzenähnlicher Säugetiere, die große Ähnlichkeit mit den echten Katzen (Felidae) hatten. Die gemeinsamen Vorfahren der Nimravidae und der Felidae gehörten zur Gruppe der Katzenartigen (Viverravidae), die wiederum aus den Miaciden vor rund 55 Millionen Jahren am Ende des Eozäns hervorgingen.

Proailurus, ein Nachkomme der Miaciden, entwickelte sich zu Pseudaelurus, der sich wiederum in zwei Hauptgruppen aufspaltete, aus denen zum einen die modernen Katzen (Neofeliden), zum anderen die Säbelzahnkatzen (Machairodontinae), eine Unterfamilie der Katzen (Felidae), hervorgingen. Nimraviden sind auch unter dem Namen Paläofeliden („alte Katzen”) oder Scheinsäbelzahnkatzen (da katzenähnlich, aber keine echten Katzen) bekannt.

Nimraviden lebten ab dem späten Eozän vor 36 Millionen Jahren bis ins späte Miozän vor 5 Millionen Jahren und hatten ihre Blütezeit vor rund 28 Millionen Jahren. Die beiden Unterfamilien der Familie Nimravidae und ihre Gattungen zeigt die Tabelle unten. Einige kennt man nur von einzelnen, fragmentarischen Fundstücken. Die Taxonomie kann sich jederzeit ändern, sobald neue Funde entdeckt werden.

Die Schädel der Nimraviden waren anders gebaut als die der Katzen, so war beispielsweise die Struktur des Mittel- und Innenohrs verschieden. Viele Nimraviden hatten einen Flansch an der Frontseite des Unterkiefers, genau wie einige Machairodontia (echten Säbelzahnkatzen) und Thylacosmiliden (katzenähnliche Beuteltiere). Dieser Flansch ist ein knöcherner Vorsprung, der nach unten hervorstand und von der Länge der Säbelzähne war. Diese passten dort genau in eine Nut oder Furche. Barbourofelis hatte das größte Gebilde dieser Art, wobei Nimravus und Dinaelurus keins besaßen. Die Säbelzähne waren schmale spitze Eckzähne deren Länge von Art zu Art variierte.

Nimraviden sahen den echten Katzen zum Verwechseln ähnlich. Sie hatten wie diese einziehbare Krallen, viele waren muskulös und wirkten gedrungen mit einem relativ schweren Körper auf kurzen Beinen. ähnlich wie die modernen Luchse hatten einige kurze Schwänze, andere dagegen hatten langgezogene Körper mit langen Schwänzen. Die Schädel der Gattungen Dinictis, Nimravus und Dinaelurus sind besonders katzenähnlich. Ihre vorstehenden oberen Eckzähne waren länger als die der modernen Katzen, aber kürzer als die der Säbelzahnkatzen, ihre untereren Eckzähne waren proportional länger. Die bekanntesten Arten, von denen man Fossilien fand, sind Dinictis, Eusmilus und Hoplophoneus.

Hoplohoneus primaevus
Hoplohoneus primaevus.

Hoplophoneus lebte während des späten Oligozäns (33 - 30.5 Millionen Jahren), also rund 20 Millionen Jahre früher als Smilodon. In früheren Dokumentationen wurde Hoplophoneus irrtümlich in die Gruppe der Felidae (echte Katzen) gestellt und als vermutlicher Vorfahr der Säbelzahnkatzen bezeichnet, aber neuere fossile Beweise legen nahe, dass Hoplophoneus und die Säbelzahnkatze Smilodon nicht miteinander verwandt waren und unterschiedlichen Entwicklungslinien angehörten. Einige Tiere ereichten etwa die Größe eines Rotluchses (Lynx rufus, engl. Bobcat), während andere etwa so groß wie ein Jaguar (Panthera onca) wurden. Genau wie viele andere Nimraviden hatte Hoplophoneus diesen eigentümlichen, knöchernen Flansch, in den seine gebogenen Säbelzähne paßten.

Überreste von Nimravus fand man in Frankreich sowie in Teilen Nordamerikas. Die Erdschichten, in die die Fossilien eingebettet waren, konnten in den Zeitraum vom frühen Oligozän bis zum frühen Miozän datiert werden. Einige Exemplare erreichten eine Körperlänge von 1,20 m. Mit seinem schnittigen Körper könnte Nimravus wie ein moderner Karakal (Caracal caracal) ausgesehen haben, obgleich er ein längeres Rückgrat und eher hundeähnliche Füße mit nur teilweise einziehbaren Krallen hatte. Nimravus konkurrierte mit anderen Scheinsäbelzahnkatzen wie Eusmilus.

Ein in Nordamerika gefundener Schädel eines Nimravus weist in der Stirnregion ein Loch auf, das genau die Abmessungen eines Eusmilus-Zahnes hat; das Tier überlebte allerdings die Verletzung, da die Wunde Anzeichen der Verheilung zeigt. Nimravus jagte vermutlich Vögel und kleine Säugetiere, denen er aus dem Hinterhalt (wie einige moderne Katzen) auflauerte anstatt aktiv und energieverbrauchend Jagd auf sie zu machen. Einige Fundstücke sind noch nicht klar eingeordnet worden, so z.B. ein Fossil, das ursprünglich als Nimravus catacopis klassifiziert wurde, nun aber doch näher bei den echten Katzen vermutet wird und daher jetzt als Machairodus aphanistus eingestuft wird (vorher Machairodus catacopis).

Dinictis (Nimravidae)
Schädel von Dinictis

Dinictis war ein kleiner Nimravide, der in den Ebenen Nordamerikas während des späten Eozäns und des frühen Oligozäns (vor 40 Millionen Jahren) lebte. Dinictis hatte einen schlanken Körper, kurze Beine, einen langen Schwanz und war Sohlengänger. „Sohlengänger“ bedeutet, dass sie beim Gehen den ganzen Fuß auf den Boden aufsetzten, anders als moderne Katzen, die man als „Zehengänger“ bezeichnet.

Schädel von Eosmilus sicarius
Schädel von Eosmilus sicarius

Eusmilus war ein Tier mit dolchartigen Eckzähnen, das in Frankreich und in Teilen Nordamerikas gefunden wurde und während des späten Oligozäns (vor 30,5-28,5 Millionen Jahren) lebte. Eusmilus erregte vor allem wegen der langen, flachen (dolchartigen) Säbelzähne und des ausgeprägten Flansches am Unterkiefer einiges an Aufsehen. Die meisten Tiere erreichten die Größe eines Leoparden (Panthera pardus), hatten jedoch im Vergleich zum modernen Leoparden recht langgestreckte Körper mit kurzen Beinen. Einige Tiere erreichten eine Körperlänge von 2,50 Meter. Eusmilus war eine typische Scheinsäbelzahnkatze mit vergrößerten oberen Eckzähnen, jedoch kleinen untereren Eckzähnen. Während ihrer Entwicklungsgeschichte mußten viele andere Zähne weichen um für die großen Säbelzähne Platz zu schaffen - verglichen mit anderen fleischfressenden Tieren, die 44 Zähne besitzen, hatte Eusmilus lediglich 26 Zähne. Das Kiefergelenk wurde so verändert, dass das Tier sein Maul in einem Winkel von 90 Grad öffnen konnte und so die großen Säbelzähne beim Einstatz nicht behindert wurden. Sein Unterkiefer hatte knöcherne Scheiden zum Schutz der Säbelzähne vor Beschädigung wenn das Maul geschlossen war. Es gibt fossile Hinweise auf heftige Kämpfe zwischen Eusmilus und Nimravus.

Das löwengroße Barbourofelis wird heute nicht mehr zur Familie der Nimravidae gezählt, sondern in eine eigene Familie Barbourofelidae gestellt.