Trend-Hobby Imker

Trend-Hobby Imker

Meldung vom 13.03.2014 08:32

Bienen werden zum neuen Lifestyle-Accessoire

140322-083120_medium.jpg
Creative Commons CC-by-sa-3.0 de">
 
Stadtimkerei in Hannover am Waterlooplatz. Axel Hindemith / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Original-Publikation:
Dr. rer. nat. Peter Rosenkranz, Universität Hohenheim. Landesanstalt für Bienenkunde

Quelle: idw-online

Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim: Imkerei erlebt neuen Hype / Biodiversität bleibt für Bienen überlebenswichtig / zusätzlicher Schutz für die Wildbienen erforderlich

Überfüllte Seminarräume, lange Wartelisten für Studienbewerber, steigende Mitgliederzahlen bei jungen Hobby-Imkern: Die Biene erfreut sich dieser Tage einer Beliebtheit, wie schon seit 30 Jahren nicht mehr. Das zeigt sich auch daran, dass die Zahl der Bienenvölker in den letzten Jahren weltweit wieder gestiegen ist. „Solange die Weltmarkt-Preise für Honig und Bestäubung stimmen, wird es auch Imker und Bienen geben“, so Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienen der Universität Hohenheim, auf der Pressekonferenz zur 50-Jahr-Feier am vergangenen Sonntag. In Deutschland kommt hinzu, dass immer mehr Menschen der Faszination der Bienenhaltung erliegen und zum Schutz der Natur beitragen möchten. Trotzdem warnt der Bienen-Experte: „Die Forschung und der Schutz zum Erhalt der Bienen muss weiterhin ernst genommen werden.“ Dazu gehören ein gesteigertes Verständnis für Pestizide, Parasiten und Krankheiten und die Förderung wichtiger Lebensräume wie Streuobstwiesen. Denn vor allem die Lebensräume der Bienen werden durch den Menschen immer kleiner und gefährden ihren Erhalt für die Zukunft. Und die von den Imkern gehaltenen Honigbienen sind ein unverzichtbarer Indikator für diese Fehlentwicklungen.

Eine Wirtschaftsleistung von geschätzten 2 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland und geschätzten 70 Milliarden Dollar weltweit, außerdem ein jährlicher Honigverzehr in Deutschland von fast 100.000 Tonnen: Das alles machen die fleißigen Bienen-Arbeiterinnen möglich und summen sich so an Platz 3 der wichtigsten Nutztiere in Deutschland hinter Schweinen und Rindern.

So nutzträchtig die kleinen Insekten auch sind, so gefährdet sind sie vor allem durch den Flächenverbrauch. Um auch weiterhin ihren Erhalt zu sichern, suchen die Wissenschaftler der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim nach neuen Lösungsansätzen für das Überleben der Bienen in der heutigen Kulturlandschaft.

Deutschlands letzte Hochburg für universitäre Bienenkunde

Seit 50 Jahren gibt es die Landesanstalt, die Imkertradition existiert bereits seit fast 175 Jahren an der Universität Hohenheim. Als die letzte Einrichtung deutschlandweit, an der angewandte Bienenkunde noch an einer Universität gelehrt wird, ist sie nicht nur führend im Bereich der Bienenpathologie und dem Konfliktfeld Pflanzen- versus Bienenschutz.

Sie hat auch maßgeblich dazu beigetragen, den hohen Stellenwert der Biene für Wirtschaft und Umwelt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit und der Politik zu rücken. Das zeigen auch die von der Landesanstalt betreuten Bienen, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann seit zwei Jahren in seinem Garten hält.

Bienenzucht ist neues Mode-Hobby

Dr. Rosenkranz erinnert sich: „Damals, als ich mit meinem Studium begann, herrschte ein richtiger Hype um Bienenkunde, viele wollten besonders grün sein und Bienen haben. Das hat dann lange Jahre stark nachgelassen.“

Nun sei das Interesse wieder da, wie der Bienen-Kundler berichten kann: „Mittlerweile haben wir bis zu 150 Bewerbungen von Studieninteressierten, obwohl wir nur 50 aufnehmen können. Auch unsere Imker-Seminare sind so überfüllt, dass wir sie auf zwei Räume aufteilen müssen.“ Die Zeiten, in denen die Bienenkunde als exotisches Orchideenfach angesehen wurde, seien vorbei.

Imkerei wird schwieriger / Wildbienen stark gefährdet

Doch obwohl die nackten Zahlen zur Entwicklung der Imkerei durchaus positiv sind, kann noch lange keine Entwarnung gegeben werden, so Dr. Rosenkranz. „Alle Bienen sind immer noch vielen Gefahren ausgesetzt, vor allem im Bereich der Pestizide und der Parasiten.“

Es seien besonders Wildbienen, die stark gefährdet seien. „Honigbienen wird es immer geben, solange der Imker sie vor diesen Gefahren schützt und der Honigpreis stimmt. Wildbienen haben diesen Luxus allerdings nicht. Viele ihrer Lebensräume sind durch den Menschen und seiner Verbreitung in den letzten Jahren zerstört worden.“

Und Lebensräume, die der Mensch nutzt und die überlebenswichtig für die Wildbienen sind – wie z. B. die Streuobstwiesen – werden häufig nicht gepflegt. „Eine Streuobstwiese zu besitzen ist immer auch mit Aufwand verbunden“, so der Bienen-Experte aus Hohenheim. „Und viele sind nicht bereit, diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Zum Leidwesen der Bestäuberinsekten.“

2,3 Millionen Euro Forschungsförderung durch FIT BEE

Um den Erhalt der Biene auch für die Zukunft zu sichern, versuchen die Wissenschaftler aus Hohenheim auch die Bedürfnisse der Landwirtschaft zu berücksichtigen und alternative Lösungen zu finden. Zwei EU Projekte und das mit 2,3 Mio. Euro geförderte Projekt „FIT BEE“ sind das Resultat dieses Engagements. „FIT BEE beschäftigt sich mit allen Aspekten der Bienengesundheit“, erklärt Dr. Rosenkranz. „Dazu gehören Umwelteinflüsse, Pflanzenschutzmittel, Bienenkrankheiten, jeweils in Bezug auf Einzelbienen und das ganze Bienenvolk.“

Mit Sexual-Duftstoff gegen die Varroa-Milbe

Eines der Teilprojekte von FIT BEE beschäftigt sich mit der für Bienen tödlichen Varroa-Milbe. Die Forscher haben den Sexual-Duftstoff identifiziert, mit dem man die männlichen Milben verwirren und sie so an der Fortpflanzung hindern kann. Bisher blieb den Imkern nichts anderes übrig, als die Bienenstöcke mit Ameisen-, Milch- und Oxalsäure zu behandeln. Zwar sei es noch ein langer Weg, bis der Duftstoff ausgereift ist, so Dr. Rosenkranz, die ersten Ergebnisse seien aber vielversprechend.

Bestandsaufnahme des Pestizid-Einsatzes in der Landwirtschaft

Auch dem Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft wollen die Bienen-Kundler nachgehen und Lösungsansätze vorschlagen. „Viele Pestizide töten Bienen zwar nicht sofort, langfristig können jedoch erhebliche Schäden entstehen.“

Im Zuge von FIT BEE erfassen die Hohenheimer Forscher inwieweit der Pestizid-Einsatz zum Bienensterben in Baden-Württemberg beiträgt. Hierfür testen sie, wie viele Wirkstoffe die Bienen vom Feld in den Bienenstock bringen und welche Auswirkungen das auf den Organismus „Bienenvolk“ hat.

Pestizidfreie Blüten dank neuer Spritztechniken

Zeitgleich entwickeln die Bienen-Kundler auch neue Möglichkeiten des Pflanzenschutzes, die von Landwirten genutzt werden können, ohne den Bienen zu schaden. „Ein Ansatz sind neue Spritztechniken, die die Pestizide von den Blüten fernhalten.“ Für die Landwirtschaft sei dies kein Schaden, denn Parasiten und Pilze befallen oft nur die grünen Pflanzenteile, „die Blüte selbst ist nicht betroffen“.

„Mit neuen Spritztechniken, die nur auf den grünen Stängel zielen, würde die Blüte und damit auch die Biene weitgehend pestizidfrei bleiben“, so die Prognose des Bienen-Experten. „Als Alternative arbeiten wir aber auch an einem Duftstoff, der die Bienen von bestimmten Pflanzen fernhalten soll, ohne sie zu schädigen.“

Text: Corinna Schmid / Florian Klebs


Archiv:

Meldung vom 19.01.2017 14:46

Weltweite Bedrohung von Primaten betrifft uns alle

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) fordern zusammen mit einem internationalen Expertenteam s ...

Meldung vom 07.11.2016 16:07

Koboldmaki-Erbgut liefert neue Einblicke in die Evolution der Primaten

Ein Forscherteam hat das Koboldmaki-Erbgut analysiert und dabei neue Erkenntnisse über die Evolution der Prim ...

Meldung vom 07.11.2016 16:02

Wie Pflanzen die Welt erobern

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Bislang war unklar, welche R ...

Meldung vom 07.11.2016 15:57

Rostocker Forscher entdeckt neue Krabbe an der Ostseeküste

Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

Meldung vom 13.10.2016 14:21

Auf dem Weg nach Norden - Immer mehr Mittelmeerspinnen in Deutschland heimisch

Wärmeliebende Spinnenarten aus dem Mittelmeerraum werden zunehmend auch in Deutschland nachgewiesen.

Meldung vom 08.09.2016 16:22

Erbgutanalyse enthüllt: Es gibt nicht nur eine, sondern vier Giraffenarten

Senckenberg-Wissenschaftler und die Giraffe Conservation Foundation haben die genetischen Verwandtschaftsbezie ...

Meldung vom 06.09.2016 17:06

Ältere Schreikraniche initiieren neue Zugrouten - Reaktion auf Klima- und Landnutzungswandel

Der weltweite Klima- und Landnutzungswandel führt dazu, dass einzelne Vögel nicht mehr so weit gen Süden zi ...

Meldung vom 01.09.2016 20:07

Elefanten im Sinkflug

Neuer Report bestätigt den rasanten Rückgang Afrikanischer Elefanten.

Meldung vom 29.06.2016 19:35

Bisher unbekannte weltweite ökologische Katastrophe aufgedeckt

In der Erdgeschichte kam es mehrmals zu einem Massenaussterben mit entsprechenden Konsequenzen für die Umwelt ...

Meldung vom 07.06.2016 16:50

Neu- und Wiederansiedlungen von Luchsen erfordern größere Bestände

Um Luchse erfolgreich wiederanzusiedeln, spielt die Anzahl an ausgewilderten Tieren eine entscheidende Rolle. ...

Meldung vom 30.05.2016 18:53

Extremes Jagdverhalten macht Schweinswale anfällig für Störungen

Internationales Wissenschaftlerteam veröffentlicht Studie über Fressgewohnheiten

Meldung vom 30.05.2016 17:13

Gezielter Schutz für Borneos Raubtiere

Umwandlungen und Fragmentierung des natürlichen Lebensraums, Abholzung, illegales Jagen, Feuer: die Regenwäl ...

Meldung vom 25.05.2016 13:53

Menschenaffen kommunizieren kooperativ

Menschliche Sprache ist ein kooperatives Zusammenspiel und beinhaltet schnelle Rollenwechsel. Diese Art der ko ...

Meldung vom 23.05.2016 19:14

„Alien“ im Bernstein

Biologen der Universität Jena entdecken Bindeglied zwischen Gottesanbeterinnen und Schaben

Meldung vom 01.05.2016 17:23

Drei neue Affenarten auf Madagaskar entdeckt

Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), der University of Kentucky, des amerikanischen Duke Lemu ...

Meldung vom 18.03.2016 20:30

Bei Tüpfelhyänen sind Nesthocker keine Verlierer

Männchen, die zu Hause bleiben, müssen keine Zweite-Klasse-Männchen sein, sondern können genauso viele Nac ...

Meldung vom 07.03.2016 16:42

Mehr Sumatra Orang-Utans als bisher angenommen

Der Sumatra Orang-Utan, eine der zwei existierenden Orang-Utan-Arten, lebt ausschließlich im Norden der indon ...

Meldung vom 07.03.2016 16:36

Wie kann man Fledermausarten am besten unterscheiden

Ein internationales Forscherteam hat erstmals verschiedene Methoden zur Artenbestimmung von Fledermäusen in P ...

Meldung vom 07.03.2016 16:31

Arbeitsteilung bei sozialen Insekten: Allrounder gegenüber Spezialisten bei Störungen im Vorteil

Fitnesskosten: Ameisenkolonien mit starker Spezialisierung haben bei plötzlichen Veränderungen geringere Üb ...

Meldung vom 07.03.2016 16:24

Neues zum Sexleben der Graumulle: Bewusst enthaltsam

Sie könnten zwar Nachkommen zeugen, leben aber meistens enthaltsam: Das ist das Schicksal zahlreicher Männch ...

Meldung vom 05.03.2016 07:20

Einige Vögel sind genauso schlau wie Affen: Forscher ergründen Gemeinsamkeiten in Hirnarchitektur

Einige Vogelgruppen sind mental ebenso schlau wie Menschenaffen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Prof. Dr. O ...

Meldung vom 02.03.2016 03:15

Invasion von Zellen durch pathogene Bakterien: Schlüssel zum Verständnis zur Herkunft der Eukaryote

Die Entstehung komplexer Zellen - sogenannter Eukaryoten - vor 2 Milliarden Jahren markierte einen entscheiden ...

Meldung vom 01.03.2016 11:10

Invasive Wasserfrösche zu dominant für einheimische Arten

Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Mithilfe eines neu ...

Meldung vom 27.02.2016 02:40

Mutter-Kind-Kommunikation bei Schimpansen

Sprache wird bei uns Menschen mit Hilfe der Hände erlernt. Aber auch in der Kommunikation von Menschenaffen s ...

Meldung vom 11.02.2016 20:41

Warmes Bad in der Nordsee - Eingewanderte Krabbe breitet sich aus

Wissenschaftler von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben durch die Auswertung einer Langzeitstudie gezei ...

Meldung vom 11.01.2016 16:17

Mikroplastikpartikel in Speisefischen und Pflanzenfressern

Müll im Meer: Neue AWI-Studien zeigen, dass die Plastikreste in Nord- und Ostsee auch von Speisefischen und M ...

Meldung vom 08.01.2016 13:30

Wie die Taiga das Weltklima verändert

Botanikerin der Universität Jena analysiert die Folgen von Waldbränden in Sibirien

Ältere Nachrichten:

Anything in here will be replaced on browsers that support the canvas element