Pangaea, auch Pangäa oder Pangea (von altgriechisch πᾶν pān ‚ganz‘, ‚gesamt‘ und γαῖα gaia ‚Erde‘, ‚Land‘; wörtlich also gesamtes Land, Ganzerde, Allerde)[1] war der letzte globale Superkontinent der Erdgeschichte.
Er existierte als zusammenhängende Landmasse vom Karbon bis Jura – vor etwa 300 bis 150 Million Jahren – also in dem Abschnitt der Erdgeschichte, in der sich das große Massenaussterben des Perm abspielte und sich die Dinosaurier entwickelten.
Das Konzept, dass zu Ende des Paläozoikums alle Kontinente in einem Superkontinent vereinigt waren, geht zurück auf Alfred Wegener, der die Idee 1912 erstmals publizierte.[2] Später erweiterte er diese Arbeit zu seinem berühmten Buch Die Entstehung der Kontinente und Ozeane, das ab 1915 in sechs Auflagen erschien. Der Begriff Pangaea erscheint aber nicht in seinen Arbeiten. Stattdessen benutzte er den Begriff „Urkontinent“.[3] Erst im Symposiumsband zu einem Symposium 1928[4] wird statt Urkontinent erstmals der Begriff Pangaea verwendet.
Pangaea entstand durch den Zusammenprall von Laurussia – dem Old-Red-Kontinent – und Gondwana – dem Großen Südkontinent – durch Schließung des Iapetus-Ozeans und des Rheischen Ozeans.
Die kleineren Peri-Gondwana-Elemente Perunica, Armorica, aber auch die Kratone des heutigen Sibirien, Kasachstans, Nord- und Südchinas sowie mehrere vulkanische Inselbögen waren weitere Konstituenten. Umgeben war Pangaea vom weltumspannenden Ozean Panthalassa und seiner riesigen östlichen Bucht, der Tethys.
Im Zuge der Kollisionen der Kontinentalschollen im Paläozoikum und der Hebung der durch Subduktion entstandenen Geosynklinalen bzw. Tiefseerinnen kam es zur Bildung von vielen noch heute vorhandenen Faltengebirgen und Gebirgsbildungen durch Akkretion und Vulkanismus.
Stark verfaltete und abgetragene Terrane Avalonias – aus der ersten Kollision mit Baltica und dann der mit Laurentia – findet man in Neufundland, England, Norddeutschland, im Karpatenbogen und auf der Balkanhalbinsel, sowie in Spanien und Marokko.
Die bekanntesten Abschnitte dieser acadischen Gebirgsbildungsära sind die Epochen der
Einige zehn Millionen Jahre später, in ineinander übergehenden Zusammenballungs- und Faltungsphasen, erfolgte die
Alle Gebirgszüge dieser Epochen sind durch Erosion soweit sedimentiert, dass die ehemaligen Sechs- bis Achttausender-Gipfel bestenfalls als Rumpfgebirge sichtbar sind oder Schichten in späteren Gebirgsbildungen bilden. Besonders interessant erscheint die Tatsache, dass Sedimente des Iapetus-Ozeans sowohl in den Appalachen als auch in den Kaledonischen Bergen als Sutur nachweisbar sind. Dies bedeutet, dass genau an der ursprünglichen Verschweißungszone der Kontinentalschollen nach 150 Millionen Jahren – zumindest zum Teil – auch deren Bruch erfolgte.
So wie bei jeder Gebirgsbildung kam es auch hier zur Hebung älterer Gesteinsschichten: In der Böhmischen Masse des Waldviertels in Niederösterreich wurden durch die variszischen Hebungsereignisse Gneise aus dem Superkontinent Rodinia von vor 1,1 Milliarden Jahren zutage gefaltet bzw. auf jüngere Gesteinsschichten überschoben.
Die variszischen Gebirgsbildungen hatten auch Magma-Aufstiege aus der Tiefe zur Folge, die verschiedenorts zu Erzlagerstätten geführt haben. Durch die im Vorland der Geosynklinalen auftretenden Senkungen sind dort auch abgetragene Massen von Gebirgsschutt und Feinsedimenten abgelagert worden (siehe auch Sedimentbecken). Diesen Vorgängen verdankt u.a. das Ruhrgebiet seine zahlreichen Kohlenflöze.
Durch plattentektonische Vorgänge zerbrach Pangaea im Jura – vor etwa 150 Ma – unter Ausbildung der Paratethys im heutigen Mitteleuropa und Südeuropa vorerst wieder in die Großkontinente Laurasia und Gondwana, aus denen es entstanden war und die später in der Kreidezeit – vor etwa 135 Ma – im Zuge der Spreizung des Atlantiks und der Umbildung der Tethys zum Indischen Ozean und Antarktischen Ozean in die uns heute bekannten Kontinente zerfielen.
Die Böhmische Masse, aber auch die anderen südlichen Teile der Varisziden, bildete – beginnend vor etwa 100 Ma – das „Widerlager“ zur Afrikanischen Platte auf ihrem Weg nach Norden. Diese Kollision warf und wirft bis heute unter anderem die Alpen auf.
Diese jüngeren Bergketten sind insbesondere die alpidischen Gebirgszüge der Alpen, des Apennin, der Karpaten, Balkangebirge und Pyrenäen in Europa, des Himalaya in Asien, das Atlasgebirge in Nordafrika oder die Rocky Mountains in Nordamerika und die Anden in Südamerika, welche sich etwa um die Kreide-Tertiär-Grenze vor 65 Millionen Jahren aus dem Urozean erhoben.
Der Erdmantel unter Pangaeas ehemaliger Position ist noch immer heiß. Wegen der damit im Zusammenhang stehenden Konvektionsströmung des Magmas liegt Afrika etwa zehn Meter höher als die übrigen Kontinente.