Lee Rogers Berger (* 22. Dezember 1965 in Shawnee Mission, Johnson County (Kansas), USA), ist ein US-amerikanischer Paläoanthropologe, Anthropologe und Archäologe. Berger ist Professor an der University of the Witwatersrand in Johannesburg, Südafrika und hat dort auch seinen ständigen Wohnsitz. International bekannt wurde er durch seine Studien über die Körperproportionen von Australopithecus africanus. Berger entdeckte zudem, dass das Kind von Taung – das erste wissenschaftlich beschriebene Individuum der Gattung Australopithecus – von einem großen Greifvogel erbeutet worden war.
Lee Berger wurde 1965 in Shawnee Mission im US-Bundesstaat Kansas geboren und wuchs in Sylvania (Georgia) auf. Er studierte ab 1985 an der Vanderbilt University, besuchte ab 1987 das East Georgia College und danach die Georgia Southern University, wo er 1989 sein Studium in den Fächern Biologische Anthropologie, Archäologie und Geologie mit dem Bachelor-Grad abschloss. [1] Im gleichen Jahr wechselte er für eine paläoanthropologische Doktorarbeit an die University of the Witwatersrand nach Südafrika, wo er seitdem lebt; unter Anleitung von Phillip Tobias erforschte er den Schultergürtel früher Hominiden.
Bereits 1991 begann Berger seine Langzeitstudien in der Gladysvale-Höhle, die heute zum UNESCO-Welterbe „Cradle of Humankind“ („Wiege der Menschheit“) gehört. Im gleichen Jahr wurden dort von seinem Team die ersten seit 1948 in Südafrika entdeckten Überreste früher Hominini geborgen. 1993 wurde Berger Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Paleo-Anthropology Research Unit (PARU) der Witwatersrand-Universität. 1994 erwarb er den Doktorgrad im Fach Paläoanthropologie mit einer Arbeit über The functional morphology of the hominoid shoulder girdle, past and present. Es folgten weitere Studien als Post-Doktorand an der Witwatersrand-Universität, 1999 die Ernennung zum Leiter der Paleo-Anthropology Research Unit und schließlich 2004 die Berufung zum Reader (vergleichbar dem europäischen Professor) im Fachgebiet Evolution des Menschen.
Berger leitete neben der Ausgrabung in Gladysvale auch Projekte in Sterkfontein und Swartkrans. Zeitweise unterrichtet er sein Fachgebiet auch in den USA: seit 1997 an der Duke University und seit 1998 zudem an der University of Arkansas. Seine Forschungsarbeiten werden u. a. unterstützt durch die National Geographic Society.
Seine 1995 publizierte Hypothese zum Schicksal des Taung-Schädels,[2] die 2006 bestätigt wurde,[3] sowie seine Studie über die Länge der Gliedmaßen von Australopithecus africanus aus dem Jahr 1998 [4] wurde von der Zeitschrift Discover zu den hundert wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen ihres Erscheinungsjahres gezählt.
Für Aufsehen sorgte Berger auch, nachdem er 2006 während seines Urlaubs in Palau (Mikronesien) zweitausend bis dreitausend Jahre alte Überreste von offenbar sehr kleinwüchsigen Menschen untersucht hatte und 2008 ein Forscherstreit darüber entbrannte, ob es sich bei diesen Menschen um eine eigene Art der Gattung Homo handelte, um eine sogenannte Inselverzwergung oder um Minderwuchs moderner Menschen (Homo sapiens).[5]
2010 war Berger Hauptautor der Erstbeschreibung von Australopithecus sediba.[6]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Berger, Lee |
| ALTERNATIVNAMEN | Berger, Lee Rogers |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Paläoanthropologe, Anthropologe und Archäologe |
| GEBURTSDATUM | 22. Dezember 1965 |
| GEBURTSORT | Shawnee Mission, Johnson County (Kansas), USA |